Lied des Mechatronikers

reparatur

Nie darf ich das Rad benutzen!
Trotzdem muss ichs ega putzen,
Kette ölen, reparieren
und die Kugellager schmieren!

Kann mir bitte einer reichen
rasch die Säge für die Speichen,
und im Werkzeugkasten greifen
nach dem Messer für die Reifen?

Danke. Fertig. Noch ein Bier?
Gute Fahrt! Ich bleibe hier.

50 Shapes Of Clay (bzw. Sandstein)

kurve

Schmal ist manchmal unser Weg,
voller Fallen, felsig, schräg.
Achtet man auf das Gelände,
schlägt der Kopf an tiefe Wände,
und die Steine, die umkurvten,
stehn dort, wo wir nie hin durften.
Aussicht? Ja. Doch wo gehts weiter?
Selbst die Karte: Nicht gescheiter.
Schnaubend heißt es kehrt, zurück
(manchmal ist das auch ein Glück),
weitermachen,
weiterlachen,
gerne ohne jeden Grund.
Hauptsache, man bleibt gesund.

Trendthema Elektroimmobilität

lampe

Karl Gong, der bekennende Skeptiker, dem jeglicher Hype gegen den Strich ging und der sich deshalb gern von der Masse absonderte oder, wenn das nicht möglich war, scharfe verbale Trennlinien “gegen die Idiotie” zu ziehen pflegte, die die wohlmeinenden, harmoniesüchtigen Mitbürger regelmäßig stark verstörten, war sich über seine Position zur Elektromobilität nicht ganz im Klaren, fristete diese doch einerseits eine bemitleidenswert marginale Existenz im feuchten Kellergeschoss der Realität, lag andererseits aber in aller Munde, jeder und jede verfügte über eine Meinung, ein Argument oder ein zumindest teilweise elektrisch betriebenes Gerät, das herumfahren, herumlaufen oder herumgetragen werden konnte.

Um nicht gänzlich ohne Haltung wie ein verstockter Depp abseits zu stehen, ging Karl Gong  dazu über, alle Elektromobilitäts-Diskussionen unauffällig zum Thema der Elektroimmobilität hinüberzuschieben, das er eloquent und kenntnisreich zu erörtern in der Lage war, bis seine Zuhörer dahindämmerten oder sich aus dem Staube machten, nachdem Gong ihre Einwürfe und Widersprüche genüsslich zerrissen hatte.

Neue Gartenvorfälle

gaertner

Karl Gong, der nie nein sagen konnte, und dem von einem Bekannten die Mitgliedschaft in einem Kleingartenverein dringend angetragen worden war, kam also nach Hause zu seiner Holden und begann umständlich darzulegen, wie überaus wundersam es doch manchmal mit dem Leben gehen könnte, wenn zum Beispiel sich ein Gartenverein, der in seinen Reihen wohl vor allem Gärtner vereint, sich ausgerechnet am Gärtnerweg befände, ein solcher Zufall bzw. eine derartige Vorsehung, man wüsste gar nicht, wen man preisen sollte, zum Beispiel den Herrn oder den Herrn Vorsitzenden, und eigentlich wäre es doch gar nicht so abwegig, eine Parzelle, denn immerhin, der Opa der Holden hatte doch, also, immer gesagt, nicht wahr, Land ist Land, man kann nie genug, kriegen?

Die Holde legte das Messer, mit dem sie bis eben die Radieschen tranchiert hatte, zur Seite, sah den Gong durchdringend an, erinnerte ihn an die Tatsache, dass sie beide schon über drei ausgedehnte, und, wenn man die “Strunkwiese”, den “Gammeldamm” und den “Peedenacker” hinzu zähle, sogar über sechs Gärten verfügten, und beteiligte sich insofern mit einer kleinen Begeisterung am Wortfetischismus des Gong, indem sie ihm ankündigte, ihrer beider Beziehung zu lösen und einen tiefen Graben zwischen ihnen beiden anzulegen,  einen Lösegraben sozusagen, sollte er nicht sofort zur Vernunft kommen, die Kleingartenpläne ad acta legen und endlich die Radieschen salzen, pfeffern und verspeisen, bevor der Spätfilm angehe.

Gong, wie immer, tat, wie ihm geheißen.

Begegnung

kesselwagen

„So ein schöner Kesselwagen!“
hört man die Berliner sagen.
„So authentisch, flugroststrotzend!“
„Schrott“, erklärt der Landmann motzend,
„alles Schrott, und siehst du auch
diesen sehr porösen Schlauch?
Lieber wär mir neues Zeuch.
Teuer. Tja. Gefällt es euch?
Foto macht drei Euro glatt.“
Und sie zahlen, denn die Stadt
hat so etwas nicht zu bieten.
Inkludiert in ihre Mieten
sind nur güldne Wassertraufen,
Rost muss man sich teuer kaufen.
„Danke, Landmann, und bis bald!“
„Fort mit euch jetzt. Odersknallt.“

Sinnbild

mahlzeit

Zwiebel, Knoblauch, Brot und Wein –
so soll unser Leben sein.
Nur die scharfen Klingen stören
das Befinden. Doch gehören
zu der guten Zeit, der wahren,
auch die lauernden Gefahren,
schlitzen dir, tust du nicht gucken,
deinen Pelz beim Rotweinschlucken.
Paare also den Genuss
stets mit Wachheit. Prost und Schluss.

Hinter den Mars?

mars

Mars (Beispielfoto)

Montags in der Kantine erzählte mir N. von seinem Wochenendausflug. Er hatte am Freitag Urlaub genommen und war „von hier aus hinter den Mars“ gereist, und damit meinte er tatsächlich den Planeten. N. wollte sich „unsere bemitleidenswerte Existenz einmal aus der Entfernung“ ansehen, um „sozusagen Abstand zu gewinnen und entsprechende Schlüsse“ zu ziehen.

Ich bezweifelte, dass ein derartiger Ausflug in so kurzer Zeit zu bewerkstelligen wäre, außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass N. finanziell über die Mittel für eine solche Reise verfügte. Er aber verwies darauf, dass er kostenlos an einem entsprechenden Forschungsprogramm teilgenommen hatte, mit 119 anderen Reisenden.

Ich musste wohl oder übel diese Erläuterungen akzeptieren. Auf meine Nachfrage hin, wie das Entfernungsproblem denn technisch gelöst wurde, beschrieb er eine Art Teleportation, während der sein Körper in seine einzelnen Moleküle aufgebrochen und hinter dem Mars wieder zusammengesetzt wurde. Auch dagegen konnte ich nichts weiter einwenden, das Verfahren kannte ich im Groben aus dem Fernsehen.

Allerdings war ich dann doch ganz froh, an diesem Programm nicht teilgenommen zu haben, denn durch eine kleine Unsauberkeit von Seiten der Forscher hatte sich beim Zusammensetzen des N. auf der Erde in diesem Zahnstein materialisiert, der vorher nicht vorhanden war. Mit Schaudern dachte ich an die eben erst erfolgte schmerzhafte Entfernung desselben von meinem Gebiss, mit ekelhaften Kratz-, Schleif- und Rüttelwerkzeugen in meinem weit aufgerissenen Schlund, fast besinnungslos und ohne jede Möglichkeit, mein Leiden angemessen herauszuschreien.

Eine Reise hinter den Mars, so elitär sie auch sein mag, ist die Wiederholung dieser Tortur nicht wert.

Bodentief

bodentief

Zwar erleichterte das bodentief angebrachte Fenster dem Problembären die Kontaktaufnahme mit den Passantinnen, doch ließ sich das Schallschutzfenster nicht öffnen, wodurch die Hoffnung auf eine baldige Hochzeit trotz listigen Winkens mit der assoziativen Gardine unerfüllt blieb.

Übärfahrt

uebaerfahrt

Nach England geht es heute!
Problembär wittert Beute.
Das Pfund ist abgeschmiert.
Die Gläser sind poliert.
Sechs Bier und man wird heiter.
Die Freundschaft lebe weiter
von Inselvolk und Kraut!
Acht Bier und man wird laut.
Zehn Bier, man will ins Bett.
Bis morgen. Heut wars nett.