Kapitän Kapitonow

Nach dem Sieg der erste Schluck!
Langsam weicht immenser Druck,
Siegenwollen, Siegenmüssen,
dem Verlangen nach den Küssen
der geföhnten Mädchen
hier im Ankunftsstädtchen.

Grade noch besinnungslos,
Magen klumpig wie ein Kloß,
auf dem Sattelbrettchen keulend,
innen wie ein Schlosshund heulend:
Jetzt die Funktionäre
schwafeln von der Ehre

dieses Sieges, Kapitän,
dieser Leistung, souverän!
Viktor schleicht sich von der Rampe,
schaufelt Kilos Nudelpampe,
dazu acht Bulettchen,
und allein ins Bettchen.

Traditionen

Karl Gong, der sich einerseits der Modernität verpflichtet fühlte, aus Gründen, die er nicht ohne, aber auch nicht mit übermäßigem Konsum geistiger Getränke darzulegen vermochte, konnte andererseits auch dem Althergebrachten, und sei es noch so fragwürdig, gute Seiten abgewinnen, ob es sich nun um vergilbte Zeitungen, rostige Kreissägenblätter, abgegriffene Stofftiere, Kompott von 1965, Helleraumöbel mit abgeplatztem Furnier, bekleckerte Uflekubierdeckel, Pionierausweise oder Verwarnzettel über 3 Mark wegen Parkens in der Nähe einer Ausfahrt handelte, alles Uraltversehrte fand Gefallen vor seinem gütigen Auge, während sich auf dem Plattenteller die Musik der Zukunft drehte, jedoch konnte er keinerlei Toleranz aufbringen für die Propagandisten sogenannter Traditionen, die ihm deutlich nahelegten, nur genau jene Mannschaft erlaube Bewunderung für ihr erbärmliches Geholze, nur genau solche Speisen dürften an just diesem Tage genossen werden, Glühwein müsse man saufen, bis der Notarzt kommt, last but not least verzichte man zwischen den Jahren auf das Umstülpen von Sektgläsern, — und dann war da noch etwas mit der Missionarsstellung, worüber er sich gerade keine Gedanken machen wollte, denn die Unangetraute weilte längere Zeit wegen Pferdediebstahls in Ungarn, nicht ohne ihm vorher aufgetragen zu haben, den Mist zu lüften und die Bettwäsche zu rollen, beides aus Gründen der Tradition.

Neu bei Nitzsche

Die Belegschaft liegt dem Chef, dem sehr geehrten Getränkehändler A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern), sehr am Herzen, nicht nur auf dem Geldbeutel (wenn auch dies besonders schmerzhaft). Der Arbeitsschutz spielt beim Überleben der Mitarbeiter eine nicht überragende, aber durchaus wahrnehmbare Rolle. So ist es zum Beispiel nötig gewesen, die für das Mosten unabdingbare Beerenrüttelanlage idiotensicher abzudichten, weil ein Angestellter (Problembär) aufgrund phonetischer Ähnlichkeiten im Aggregat-Namen bzw. LRS sich permanent hat durchrütteln lassen, und zwar während der Arbeitszeit. Die Mehrkosten waren immens, aber was tut man nicht alles, wenn man den Hofknecht lieb hat. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

MS Leselust im Heimathafen

Ein Haus voll mit Büchern (deshalb Leselust), das wie ein Schiff aussieht (deshalb Heimathafen), außerdem Drähte, die nicht ins Bild gehören, sowie eine Lampe (für Licht) und sinnlose Zweige eines Baumes

Ein Beitrag der Lipsigrad Jugendredaktion im Bemühen um würzige Kürze und Barrierearmut.

Neu bei Nitzsche

Mit der während der letztjährigen (freiwilligen!) Subbotniks entstandenen Kundenvoltigieranlage wurde ein großer Schritt in Sachen Arbeitszufriedenheit und Konfliktbewältigung im Getränkemarkt A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) beschritten. Jetzt können jederzeit missliebige Kunden durch die Belegschaft voltigiert werden, zum Beispiel, wenn sie frech geworden sind. Ein schöner Ausgleich zur Arbeit an der Kasse und im Pfandautomaten. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Lebensmittel

Mir ist heut nach Lebensmitteln.
Damen stehen an in Kitteln,
gieren nach dem Korb und kritteln
an den Waren und den Spitteln
im Regalkonstrukt herum.

Plötzlich kracht es: klirr, peng, bumm,
und ein Flaschenturm zerbricht!
Schöner geht ein Einkauf nicht.
Frohgemut hüpf ich nach Hause.
Beute: Butter, Bockwurst, Brause.

Ende einer Wanderung

Drei Spatzen bratzen auf den Zweigen.
Zwei Raben tanzen ihren Reigen
um einen Bussard. Armes Tier.
Ich schreite. Dabei graut es mir,
wenn ich der Autobahn gedenke,
auf die ich meinen Wagen lenke
mit stillem Bangen allzu bald.
Ade euch Wiesen, Auen, Wald —

ach könnt ich still den Körper betten
hier zwischen Kiefern und Zypretten
auf weicher Nadeln süßem Flaum.
Nur liegen unterm Wolkenschaum!
Doch leider ist das streng verboten.
So roll ich unter Vollidioten
nach Haus zu Deinem roten Mund.
Na schön, das ist ein guter Grund.

Neu bei Nitzsche

Die Belegschaft des Getränkemarktes A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) ist dringend angehalten, die auf den Nachbargrundstücken angebauten Früchte, Stauden und Gemüse genau im Auge zu behalten, um den für die Ernte günstigsten Zeitpunkt nicht zu verpassen. Die vorzugsweise bei Mondschein (Tradition) gewonnenen Grundstoffe werden in den jüngst „angeschafften“ Bottichen in Halle 7 vergoren; die Endprodukte sind nur für Führungskräfte genießbar. Sollten sich die Nachbarn über „seltsam ausgedünnte“ Plantagen beschweren, wird wahlweise auf den Borkenkäfer oder Busse mit osteuropäischen Kennzeichen verwiesen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Neu bei Nitzsche

Der neue Multifunktionsteich auf dem Firmengelände von A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), unterliegt strengster Kontrolle und Pflege. Nur so kann er seinem Multizweck der Speisefischgewinnung, Pfandgutwäsche, Damenbadestelle, Löschwasserbereithaltung und Quellwassergewinnung (für das beliebte Kraftbier) zur Zufriedenheit von Kunden und Belegschaft gerecht werden.

Glück

Mach ne Rolle
auf der Scholle:
Alles meine!
Ja. Auch deine.

Kochste Tee?
Kopf tut weh.

Danke dir.
Hark mal hier.
Grab mal dort.
Feiner Ort.

Längst noch nicht
Ende Schicht.

Grund verpflichtet,
und vernichtet
eben Zeit.
Suchst du Streit?

Alles fein
Lieschen klein,

Küsschen hier,
kleines Bier,
großer Schnaps.
Bloß kein Raps!

Busch und Liebe
treiben Triebe.