Zum Kindertag

Wenn man trödelt nur ein bisschen,
sind die Kinder groß.
Lagen grad noch auf der Wiese,
saßen auf dem Schoß.

Knospen steckten in den Bäumen:
Kind wog nichts im Arm.
Stößt dich lachend übern Haufen,
seit es draußen warm.

Durch die trocknen Sommerblätter
zieht ein lauer Wind.
Wirf dich in die kalten Fluten.
Bleib dir selbst das Kind.

Der Liebestrank

Dies ist der Liebsten Tag!
Ich gäb das letzte Hemd
und was sie sonst noch mag,
wenn sie die Arme stemmt

und mich von oben schwer
mit diesem Blick bedenkt.
Kuck, was dein lieber Bär
dir zum Gebrauche schenkt:

Ich fand in meinem Spind
Likörchen, trüb und gold.
Ach bitte, liebes Kind,
sei mir für immer hold!

Ach bitte, liebste Frau,
sei meines Glückes Pfand
mit Feile und Radau,
mit Schmieche und Verstand

allhier in meiner Kammer.
Wenn nicht: Es wär ein Jammer!

Aufwärts

Aufwärts geht der Weg
durch das Treppenhaus.
Chefetage kuckt
zur Terrasse raus.

Die Hostess reicht Keks,
Waffel und Kaffee.
Der Betriebsrat sauft
Rum zum schwarzen Tee.

Angestrengt wird dort
Zukunft vorgeplant,
für die mir am Tor
durchaus Übles schwant.

Alle fahrn auf Sicht,
Brille nicht geputzt.
Für die Klinke wird
Deospray benutzt.

Draußen schwillt der Chor
der Zufriedenheit
über kluge Sicht
auf das eigne Leid.

Zarin rauft das Haar,
hinterm Vorhang knallts.
Rabe lacht im Baum.
Ich nehm Glaubersalz.

Lob der Nachbarschaft

Nur eine kleine Strecke
zur schönsten runden Ecke
der Stadt.

Du nimmst ne Zigarette,
wir husten um die Wette.
Es hat

so lang nun schon gedauert,
wir sind im Haus versauert
beinah.

Ich ende meine Schritte.
Du bist, so ist die Sitte,
gleich da.

Schnell eine Runde Schmusen,
dann küssen uns die Musen
aufs Haupt.

Und weils heut grad so scheen is,
is jedem noch ein Kleenis
erlaupt.

Wohlsein!

Leicht versauter Dialog

raucherin

Alter Film. Schwarzweiße Damen,
die mit langen Hälsen kamen
ins Café. Die Zigarette
nach der wilden Nacht im Bette

stilvoll zwischen roten Nägeln.
Boote fern mit weißen Segeln.
Schampus perlt an vollen Lippen.
„Ham die damals auch die Kippen

wie die Sau nur breitgeschmissen?“
„Warum willst du denn das wissen?“
„Ach, nur so. Hast du noch Glut?“
„Bitte, hier.“ – „Dann ist’s ja gut.“

Von der Abluft

schlote

Karl Gong, dem in seiner Doppelfunktion als Lebensgefährte und unfähiger Hausmeister seiner Unangetrauten verschiedene unlösbare Aufgaben zuteil wurden, freute sich beim abendlichen Betrachten des Wetterberichts am meisten über die Vorhersage stark wechselnder Winde, versprach diese doch, dass er den entsprechenden Tag unter dem Dach im Warmen mit dem Umschalten der Abluftkanäle entweder in den Nordsüdschornstein oder den Ostwestschornstein zubringen konnte, ohne mit unangenehmen Diensten belästigt zu werden, denn Wasser im Schornstein, so behauptete er vollmundig, ist „aller Übel Anfang“.

Leider war es der Holden kaum möglich, diese aus ihrer Sicht unglaublich unverschämte Untätigkeit ihres Hausgenossen zu ertragen, weshalb sie bei entsprechender Wetterlage mit durchdringender Stimme die Notwendigkeit des Einbaus künstlicher Intelligenz in die Abluftmaschinerie forderte und ankündigte, diesen auch mit körperlicher Gewalt „gegen alle Schmarotzer, die sich an meinem Kamin den Hintern wärmen, ohne auch nur das Mindeste zum Gelingen eines gedeihlichen Zusammenlebens beizutragen“ durchzusetzen.

Das Sonett von den zwei Seelen in der Seemannsbrust

freddy

„Raus auf See, wenn auch die Wellen
über alle Maßen schwellen,
Salzgischt uns die Augen beißt!
Jeder weiß hier, was es heißt

auf dem schwarzen Gummikutter
fern der Heimat, fern der Mutter
um Kap Hoorn…“ – „Du liebe Zeit,
fahren wir noch echt sou weit?“

„Ja doch. Macht dir das Probleme?
Warte, bis ich Maß dich nehme.“ –
„Kapitänchen, auf ein Wort,

ich vergaß die Sonnencreme.
Also bleib ich lieber heeme.“
Sprichts und hechtet über Bord.