Katzentisch

Das hier ist mein Futter.
Du bleibst besser weg,
weil ich sonst die Mutter
aus dem Körbchen schreck.

Dann stehn wir und schniefen,
blecken Zahn um Zahn,
starren dich aus tiefen
grünen Augen an.

Schließlich gehn wir beide
säuerlich vom Hof,
kratzen an der Weide,
finden dich sehr doof,

kommen morgen wieder,
durch die Erdbeern, stapf,
kacken untern Flieder.
Du füllst uns den Napf.

Neues von der Asozialität

Im Pub. Die Dame am Nebentisch zieht sich weiße Handschuhe über und geht zur Toilette. Wegen der Hygiene. Kann man machen. Dann zahlt der Herr der Dame, man erhebt sich. Die Dame legt ihre vollgerotzte Maske zur Rechnung auf den Tisch, damit sie der Kellner wegräume. Ja, gehts noch? Was als nächstes? Der benutzte Tampon?

Neu bei Nitzsche

Wir Herr A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), weisen hiermit die mäßig verehrte Kundschaft auf das neue Angebot des Hofautomaten hin, die Anfertigung betreffend von Pott Kaffee (Duisburg/Essen), Macker Latitude (Wortspiel) und Expressklo (mit vergorenen Bohnen). Tassen werden nur zum Verzehr vor Ort ausgegeben (Bistro Laderampe). Abfüllung in mitgebrachte Gefäße zur Verbringung nach Togo gegen Aufpreis. Staplerverkehr beachten. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Die Muren sind über uns

Suchschweine auf einer Mure (Symbolfoto)

Der Chef hatte den „Auftrag des Jahrhunderts“ an Land gezogen und tanzte vor seiner Laptopkamera und den entsetzten Augen des „Teams“ an den Bildschirmen eine Art Kasatschok. Der Art Director, dieser opportunistische Idiot, sprang ebenfalls wie ein Derwisch in seinem Keller hin und her und fiel erst später in die Regale als der Chef, was diesen stark erzürnte.

Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, wurde „die Arbeit verteilt“, das heißt, das Team musste „den Mist nur noch runterprogrammieren“. Es handelte sich um eine Muren-Warn-App. Irgendwo im Gebirge war eine Mure abgegangen, und niemand hatte davor gewarnt, jedenfalls nicht dort, wo es geschah, nur woanders, zum Beispiel in Schleswig-Holstein. Es gab auch schon verschiedene Warn-Apps, aber noch nicht jede IT-Butze im Wahlkreis jedes Abgeordneten hatte bereits eine programmiert. Nun also war die Klitsche des kleinen Herrn Schönleben an der Reihe.

„Wir machen das ädscheil, also agil, für die Trottel unter euch“, brüllte der Art Director, denn der Chef war schon wieder auf Akquise. „Der Schönleben-Zwerg malt ein Logo, am besten eine lachende Mure, die ins Tal rodelt. Die anderen kopieren was aus Wikipedia und den anderen Käse-Apps, hauen das zusammen, bis es blinkt und grunzt, und dann geht der Dreck ans Ministerium, damit die sich durchklicken können und die Knete lockermachen. Capietsche?“

„Und das Pflichtenheft? Die Spezifikation?“ fragte der kleine, aufsässige Herr Schönleben.

„Hatten wir sowas jemals? Den Möhren-Schwachsinn installiert sowieso niemand! Braucht doch auch keiner. In unterentwickelten Ländern kriegt jeder im Möhrengebiet eine Nachricht aufs Telefon und basta Pasta! Das ist genial und billig. Aber bin ich der Minister? Der König?“

„Jawohl!“ riefen einige der Angestellten im Chor. „Sie sind unser König!“

„Aber unsere Steuergelder!“ maulte der kleine Herr Schönleben, der einfach keine Ruhe geben wollte.

„Zahlt von euch Rüben irgendjemand Steuern?“ fragte der Art Director entgeistert. Alle Arme schnellten nach oben.

„Ich fasse es nicht! Ich bin komplett von Versagern umgeben!“ Die Bildschirmkachel, auf der eben noch die aufgerissenen Augen des Art Directors zu sehen waren, wurde schwarz. Das Team machte sich an die Arbeit, der kleine Herr Schönleben schleppte sich aufs Kanapee und schlief durch bis zum Wetterbericht.

Kleine Bildbeschreibung

Ein dicker Arbeiter steht ratlos an einer Drehmaschine. Ein anderer macht sich darüber beim Technologen lustig (Mobbing). Alle drei tragen Dauerwellen, die es beim Betriebsfrisör billig gibt.

Die Bassow-Methode besteht darin, dass der Arbeiter NUR NOCH ohne Gipsbein seine Werkstücke drehen darf. Er muss es also vorher ablegen, vielleicht reicht es aber auch, das kreuzweise Pflaster zu entfernen.

Der Zeichner zeichnet gern Hände, mit den Armen hat er Schwierigkeiten. Auch das Werkstück ist nicht zu sehen, es gab wohl Lieferschwierigkeiten. Dafür hat der Technologe ein Smartphone in der Kitteltasche, wahrscheinlich aus dem Westen.

Das Bild ist schön, und es regt mich zum Nachdenken an.

Klugschnack

Geferlič: Schnelles Rad!

Dass du sterben musst:
Mach den Haken dran,
weil dir der Verlust
stets passieren kann:

Auf dem schnellen Rad.
Unter tiefem Schnee.
Gräte im Salat.
Sturm auf hoher See.

Lebe froh und spar
keine Stunde aus.
Vorher aber fahr
zum Bestattungshaus.

Grüße aus Togo

Kaffee wohin?

Früher lief man durch die Welt
ohne Cafe Latte,
weil man schnelle Füße tief
in den Schuhen hatte.

Heute tragen Frau und Mann
und auch Mann und Frau
Weichwandbecher in der Hand:
Kaffee und Kakao.

Wird die Welt nun dadurch schöner?
Wachsen Zwiebeln auf dem Döner?
Wächst das Glück aus allen Poren?
Öffnen sich dem Sang die Ohren?

Eher nicht. Ich fürchte: Nein.
Der Effekt ist allzu klein.

Randnotiz

Zu Hause liegen keine falschen Zeitungen

Immer wenn ich die Brötchen beim Bäcker an der Zeitung mit den großen schmutzigen Buchstaben vorbei getragen habe, wundere ich mich, dass sie nicht sofort zerfallen sind oder verschimmelt nach Pestilenz stinken.

Vom Hass

Keine Bundeswehr (Beispielfoto)

Von einer kompakten weiblichen Person mit bösen Augen vernahm ich im Dabeisitzen, dass das verrotete Deutschland komplett am Ende sei, weil die Bundeswehr sich nicht in der Lage sehen würde, „für die Flutopfer“ genügend Mobilfunkmasten aufzurichten. Ich sah sicherheitshalber von der Belehrung ab, dass die Kernkompetenz der Bundeswehr nicht das Aufrichten von Masten darstellt, sondern das Niederbrechen derselben.

Fazit

Wie ich hasste das
Vielzufrüherwachen.
Nu da kömmer sowas
eben ni mehr machen.

Keinen Bauch mehr schlitzen
in sterilen Sälen. 
Und nicht mehr mit Spritzen
Fleischeshülle quälen. 

Es gibt keine Heilung,
nutzlos ist das Sehnen, 
es gibt nur Beeilung
bei den letzten Plänen. 

Reichlich gibt es Zeit, 
die wir nehmen müssen, 
nur am See zu zweit 
unter vielen Küssen 

zwischen weißen Lämmern
einfach wegzudämmern.

Vorschau

Messer (Beispielfoto)

Leg mich unters Messer.
Fragst du: „Ist das besser?
Besser als zu warten
auf den Himmelsgarten?“
„Ja“, sag ich, „gewiss.“
„Hast du keinen Schiss?“
„Hab ich, klar, mein Hase.“
Maske auf die Nase,
Messer in den Bauch,
„Schwester! Schere! Schlauch!“

Kleine Bildbeschreibung

Im VEB ÖKO erwarten drei fröhliche Beschäftigte, der Pförtner (allerdings ohne Pforte), ein einladender Arbeiter mit Koteletten und eine winkende Arbeiterin mit unvorteilhafter Frisur, den Einzug von Büchern auf Beinen. Jedes Buch hat ein sehr kleines Gesicht, das erste sogar ein rotes. Die beiden ersten Bücher „Slobin“ und „Mamai“ scheinen zu brennen, aber das stört niemanden.

Im Pförtnerhäuschen hängt nur noch ein Schlüsselbund. Also sind alle Kollegen anwesend, außer Kollege Schulz, der ein Alkoholproblem hat. Im Hintergrund türmen sich die Halden mit den Abfallprodukten, die bei der Fertigung im VEB ÖKO anfallen. Eine der Halden erinnert an einen Büstenhalter, was vom Zeichner HOF Hut 81 aus sexuellen Gründen beabsichtigt ist.

Die Bücher haben keine Knie, und man fragt sich unwillkürlich, warum sie nicht hinstürzen. Die Arbeiterin hat einen Brief in der Hand, vielleicht mit einer Auszeichnung oder mit einer Liste, welche Methoden zu welchen Erfolgen führen. Vielleicht hat sie aber auch nur das Geld veruntreut, das die Kollegen zum Geburtstag von Kollegin Meyer aus der Wickelei gesammelt haben.

Das Bild ist sehr schön, besonders die Farben, und es regt mich zum Nachdenken an.