Historische Besserwisserei

bebel

Eigentlich so:

“Am 24. März 1904″, sprach der SPD-Reichstagsabgeordnete August Bebel, “vor Arbeitern in Olbernhau.”
“Aha, dann notiere ich mir das im Kalender”, sprach seine Sekretärin, gesagt-getan; sie zog den Hut über den Kopf und den Mantel über die Schultern, lief zum Bahnhof, um die Fahrkarten für die Genossen zu kaufen, betrachtete auf dem Rückweg diese unverschämt hübschen Tücher in der Auslage von Trikotagen-Müller, ballte die Fäuste und genehmigte sich noch einen Absinth auf Parteikosten im Roten Löwen.

Aus dem Reisetagebuch

fernseh

Abends in der Pension stellten wir uns auf den Tisch und sahen uns den koreanischen Spätfilm an (mit Untertiteln). Obwohl wir von dem fremdländischen Geschnatter natürlich kein Wort verstanden, ließen wir den Ton laut mitlaufen (wegen der Atmosphäre), bis die Monteure aus dem Nachbarzimmer vor der Tür standen und uns Prügel androhten.

Fata Montana

kamele

Wenn beim Radeln durchs Gebirge solche Tiere wie im Bild sichtbar werden, sollte man es etwas ruhiger angehen lassen, etwas weniger fest in die Pedale treten und langsam der Dehydrierung vorbeugen. Korrekte Sichtungen: Nussknacker, Raachermanneln, Schwibbbögen, schlackebeladene Loren.

Dichter und Kater

woelkchen

Ich lieg mehr schlecht als recht
im Garten. Stell mich lesend.
Das Wölkchen von dem Brecht
ist immer noch anwesend.
Es war wohl niemals fort.
Es hängt an seinem Ort
so ungeheuer oben
und dreht, wenn Stürme toben,
ganz sacht nach Süden weg.
Nun wieder hier am Fleck.

So wollte es der Dichter Brecht.
Im Vorderkopf klopft arg der Specht.

Unterwegs

oednis

Müde geht es über Land.
Klapperig der Lenker.
Schweißnass liegt er in der Hand.
Knarzend lacht der Henker

oben auf dem Galgenberg!
Schnell die Ödnis fliehen!
Beim Getränkehändlerzwerg
Bier durch Zähne ziehen!

Abends dann im weißen Bett
von der Reise prahlen,
müde, wohlgemut und fett
auf dem Laken ahlen.

Also geht es zwischen Hügeln.
Schöner als dies ist nur Bügeln.

Verrükt wird ohne C geschrieben

doris

Wie immer parkte die verrükte Doris ihr Boot im Springbrunnen vor dem Amt, nachdem sie den morgendlichen Stau elegant auf den Fließen und Gräben umfahren hatte, die im Laufe der Großen Deindustrialisierung in der Stadt freigelegt worden waren, da die Menschen nun nicht mehr Gefahr liefen, von den in die Flüsse eingeleiteten Chemikalien zerfressen zu werden, bevor sie ertranken. Frau Doris, Inhaberin einer mittleren Beamtenlaufbahn an der Unterwasserbehörde, verfügte über die nötigen Verbindungen und Nachweise, um einen knatternden Außenboootmotor auch mitten in der City betreiben zu dürfen. Ihr Chef sah und hörte es mit Wohlwollen, denn praktische Verrichtungen seines Personals, die dem Dunstkreis des Dienstgegenstandes zuzurechnen waren, zeugten von Interesse am Fachgebiet über das tägliche unerfreuliche Gezanke mit den Bürgern hinaus. Dafür nahm er auch die Frösche und Libellen in Kauf, die Kollegin Doris in ihrem wallenden Haar ins Amt einschleppte. Er selbst war mit einem ausrangierten U-Boot der Schwarzmeerflotte unterwegs, ein Lustkauf, den er mittlerweile bereute, denn durch die bevorstehende Abschaltung der Atomkraftwerke in der Umgebung würde es schwer werden, genug Brennstoff für die hungrigen Triebwerke zu besorgen, und immer nach Frankreich zu fahren, wo dieser noch in ausreichenden Mengen zu erwerben war, hatte ihm sein Arzt verboten, der Leber wegen.

(wird nicht fortgesetzt)

Über Lenin

lenin

Einmal aber kehrte
Lenin vor dem Haus.
Worauf man ihn ehrte.
Ihm war das ein Graus.

“Der Personenkult
ist mir arg zuwider!
Ich leg (eure Schuld)
nun den Besen nieder.”

Das war siebenzehn,
mancher hats besungen.
Fegend ihn zu sehn,
ist nicht mehr gelungen.