Von den Gründen

Schaltung

Der Problembär, dem im Haushalt nicht nur die Beschaffung und Vertilgung der Getränke oblag, sondern auch die Wartung sämtlicher technischen Geräte, versuchte seit Stunden, mithilfe großmäulig dargebotener Internetvideos die Schaltung des einzig verbliebenen, dreckstrotzenden Haushaltsrades einzustellen, was wie alle Versuche in den Jahren zuvor natürlich nicht gelang, ihm aber die nötige moralische Grundierung verschaffte, den Weissweinkühlschrank in einem langen, zufriedenen Zug zu leeren.

Die verrottete Einhegung

grenze

Karl Gong, dem nach Monaten erschöpfenden Wirkens auf den Pferdebewegungsanlagen seiner Unangetrauten der Sinn nach einem Zipfelchen Erholung stand, begab sich also in die hinterste Ecke des Anwesens, zwei Flaschen Helles in den Tiefen der Hosentaschen vergraben, in den Händen zur Tarnung wegen der scharfsichtigen Augen der Holden eine Schraubzwinge (links) und eine Axt (rechts), die er allerdings nicht zum Aufrichten neuer Gelasse, sondern nur zum Öffnen der beiden bayerischen Trostspender benutzen wollte; Karl Gong also erstarrte im Anblick seiner frühen Werke, die gnadenlos dem Dahinströmen der Zeit ausgesetzt und weitgehend verrottet und unbenutzbar geworden waren, warf sich winselnd auf den Boden, hackte den beiden Bierflaschen die Hälse ab, ließ das schäumende Helle gleichzeitig in den nach oben aufgesperrten Schlund laufen und begann unvermittelt, wuchernde Bäume umzuhauen und mit der Schraubzwinge aneinander zu pressen, bevor er mit den Vierzollnägeln, die ihm hinter den Ohren schon beinahe festgerostet waren, eine neue Einhegung errichtete, von der die Holde mit einem spöttisch verzogenen Mundwinkel und der hingeworfenen Bemerkung “Und das soll halten?” Notiz nehmen würde.

Das schlampige Sonett von der Liebe über Entfernungen

nachtherz

Mehr muss ich wohl nicht schreiben,
wenn du dies Herz hier siehst.
Es kann nichts offen bleiben,
wenn aus den Lämpchen schießt

der helle Schein der Liebe
auch auf die Langdistanz.
Ich hoffe fest, es bliebe
das Sträuchlein blattlos ganz

das ganze Jahr hinweg
nur zu dem einen Zweck,
uns täglich fernzuglühen

aus stillem Garteneck
bei Elster, Spatz und Schneck:
Elektrisches Bemühen.

Schnatterschnatter (historische Begebenheit)

silo
Sehenswürdigkeit auf dem Weg in die Kreisstadt

Karl Gong, dem von seiner Unangetrauten für einen Abend freigegeben worden war, weil sie ihren für die Hipposecco-Sause eingeladenen Freundinnen seinen jämmerlichen Anblick ersparen wollte, stieg aus dem zerschlissenen und verdreckten Arbeitsoverall, wusch sich in der alten Pferdetränke, die mittlerweile für ihn reserviert war, zog die von der Holden auf die Stalltreppe gelegten Textilien über, die hässlich genug waren, dass er „nicht irgendeine Schlampe abschleppen“ würde und begab sich, mit genau abgezähltem Taschengeld (der Eintritt für „die Hottentottenmusik“ und zwei Münzen für eine kleine Limonade) versehen auf dem rostigen Fahrrad in den kleinen Klub der Kreisstadt, der es einmal im Quartal gegen den erbitterten Widerstand der “konservativen” Stadtratsfraktionen wagte, sauer verdiente Steuergelder für die Verköstigung einer kleinen Musikkapelle (Honorare wurden schon lange nicht mehr gezahlt) auszugeben, um all diejenigen Bewohner des Landstrichs, deren Ohren noch nicht völlig vom kommerziellen Rundfunk der Fäulnis anheimgegeben waren, mit ein wenig Freude über die saure Zeit des ländlichen Abends zu bringen.

Jedoch, als er so inmitten der zwanzig Aufrechten dem wunderbaren Klang der famosen ausländischen Band lauschte, erreichten immer wieder getuschelte, gewisperte, geschnatterte und in dynamischen Passagen gebrüllte Wortfetzen sein rechtes Ohr, die sich in seinem Kopf zu einer permanenten Kakophonie des Grauens ballten, hervorgerufen nicht, wie er erst glaubte, von seinem Unterbewussten, das den Damenkreis der Holden auf der Reitanlage imaginierte, nein, von zwei Konzertbesucherinnen, die weit genug von ihm standen, dass er sie nicht verbal oder handgreiflich zur Verantwortung ziehen konnte; ihm blieb nur genervtes Grimassieren, Schweißausbruch, Herzrasen, in die Gedärme gefressene Empörung und vorzeitige Flucht, begleitet von den mitleidigen Blicken der Umstehenden, auf die Straße, aufs Fahrrad, dem von “konservativen” Aktivisten die Luft aus den Reifen gelassen worden war, ratternd auf der Felge über die Hügel bis zur von der Unangetrauten nachlässig verschlossenen Haustür, die er aufbrach, um sich im Keller illegal an ihren Seccovorräten, denn durch den Verzehr der klebrigen Limonade hatte er einen erheblichen Durst entwickelt, aber natürlich keine Finanzen mehr zur Verfügung gehabt, in einer Art und Weise zu bedienen, dass er erst nach zwei Tagen vom Kommissar der Kreisstadt auf dem Kellerboden liegend gefunden wurde, denn die Holde hatte eine solche Frechheit Ihres Mannes trotz ihrer schlechten Meinung von ihm nicht für möglich gehalten.

Eis, Baby

torgitter

Der wegen des überharten Winters mit seinen Eisregenexzessen, Schneekapriolen und den ganzen anderen arktischen Sauereien gesperrte Aufgang zum Aussichtsturm (Rutschgefahr) bleibt laut Auskunft der Behörden bis zu den Eisheiligen geschlossen, um das Ärgste (Sturztode) zu verhindern (wegen “Eis”).

Problembärs verwirrtes Frühlingsgedicht

april

Ach, ich kann es kaum erwarten,
endlich den April zu starten!
Voller Druck auf Rasensprenger!
Horch, die Finsterwalder Sänger
singen hell von gelben Kutschen,
während ihre Hosen rutschen
und die Krägen knallend springen.
Röhren, Summen, Brüllen, Klingen!
Sengend fährt die Sonne nieder
bis zum Herbst. Es brennt der Flieder.

Nacht

nachtbrunnen

Hohe Häuser, tiefe Bronnen.
Zeit ist still zu Stein geronnen.
Wasser schwappert aus den Eimern.
Tag getaktet von den Timern
meines klugen Telefons,
das nichts weiß von dem Aktions-
und Kontaktkomplettverbot.
Ich steh vor der Ampel rot.

Armageddon

armageddon
Der Blick aus dem Fenster

Nach dem erzwungenen nächtlichen Genuss der frei Haus gelieferten Katastrophenfilme (den Tag hatte ich verschlafen, um nicht von Klopapier schleppenden oder nach Klopapier gierenden Menschen niedergerannt zu werden), traute ich mich kaum, die Vorhänge vom Fenster zu ziehen, schlief also den zweiten Tag durch, erwachte vom Getöse eines weiteren Weltuntergangs im Fernsehgerät, linste, es muss gegen Sonnenuntergang gewesen sein, aus dem Fenster und kroch kurz aufschreiend und schießlich wimmernd unter die Bettdecke, während Bruce Willis sein Bestes gab.

Tödliche Gefahren der Sommerzeit

sommerzeit

Während das Greinen der an sich selbst empfindsamen Bevölkerung über die Mühsal und Zumutung der Sommerzeit für den neutralen Beobachter kaum nachzuvollziehen ist, birgt der Umstellungsvorgang zum Beispiel für den kleinen Herrn Schönleben erhebliche, sogar tödlich zu nennende Gefahren aufgrund der in großer Höhe angebrachten Uhren in seinem Umstellungsverantwortungsbereich. Hoffen wir, dass auch diesmal wieder alles gut geht.

Das schlampige Sonett zur Lage

corinna

Stell dir vor, das Virus wäre
wie ein Luftballon.
Trudelt durch die Atmosphäre
bis aufs Scheselong,

wo wir sitzen, und wir fangen
es uns fröhlich ein.
Hustend röten sich die Wangen!
Virus, dummes Schwein!

Nimm die Nadel,
liebes Madel,
stichel, pfuff, ein Loch!

Dann ins Ladel.
Handwaschbadel!
Danke: Robert Koch.

It’s Fashion

klopapier
Glück, dein Name sei Klopapier!

Karl Gong, der in den milden Wintermonaten ohn Unterlass und Radio, vom Fernsehen ganz zu schweigen, im Auftrag der Unangetrauten an den neuen, lichtdurchfluteten Stallungen für die Leasinggäule gearbeitet hatte, während er im abgedunkelten Kartoffelkeller seine Mahlzeiten zu sich nahm, um nicht auch noch in den Pausen mit Arbeitsaufgaben behelligt zu werden, durfte an einem kühlen Tag im März die Kreisstadt aufsuchen, um einen ihm von der Holden am Valentinstag überreichten Videotheken-Gutschein einzulösen, der auf den Film “Der Pferdeflüsterer” ausgestellt war, Umtausch gegen andere Werke ausgeschlossen; jedoch, als er vor verschlossener Tür stand, an die ein Zettel “Aus den bekannten Gründen geschlossen” mit drei Ausrufezeichen gepinnt war, sah er sich genötigt, seinen Plan zielgerichteter Aktivität zu korrigieren, er musste improvisieren und sah sich im Straßenraum um, der angenehm unbevölkert war, abgesehen von seltsam auseinandergezogenen Menschenketten, die vor Drogerien anstanden, und von Personen mittleren und höheren Alters, die mit beseeltem Gesichtsausdruck Klopapiergroßpackungen mit sich führten, der neue Chic der Kreisstadt offensichtlich: Hatte man früher Kinder oder Hunde oder Telefone mitgeführt und hergezeigt, war es nun Klopapier, eine an sich positive Entwicklung, handelte es sich doch um ein Accessoire, das sich jeder leisten konnte, das die Menschen egalitär verband und offensichtlich außerordentlich beglückte.

Karl Gong, dem mittlerweile aufgegangen war, dass die modisch behängten Menschen der Drogerie entströmten, reihte sich freudig ein, wartete geduldig auf seine Ration, zahlte mit hochgezogenen Augenbrauen und warf schließlich fröhlich in Erwartung einer anerkennenden Kopfnuss der Liebsten die zwei XXXL-Packungen in den Saporoshez, um den aktuellen Fashiontrend hinaus aufs Land zu tragen.