Fracking-Abenteuer mit ÖPNV-Korrektur

fracking
Schwarzes Gold (oben) von oben

Hat ein lauter Knall gekracht
morgens gegen viertel acht.
Sieben-fünfzehn? Meinetwegen,
Wessi, kannst gehackt dich legen.

Jedenfalls schwappt schwarze Brühe
lustig sprudelnd ohne Mühe
aus der lecken Pipeline
bis zum Damm der S-Bahn-Schiene.

Langsam schwimmt ein Haus vorbei.
Später sind es zwei, dann drei.
“Nichts ist ohne Risiko”,
singt der Chor im Männerklo.

Klaus!

fetzen
Der Stiefelersatzbehälter enttäuscht!

Problembär hinter Fetzen,
geschüttelt von Entsetzen:
Hier ist ja alles leer!
Kein Honig-Zimt-Likeer!
Kein Obladi-Gebäck!
Kein Tannengrüngesteck
und keine Branntweinmandeln!
Jetzt heißt es zügig handeln:
Versagt hat Onkel Nikolaus!
Der Stapler rollt zu Rotwein-Klaus.

Aktivitäten im Spiegel der Vorfreude

nikolaus

Der Problembär, von der eigenen Bedeutung berauscht und hochgradig kreativ veranlagt, gab sich nicht mit der Nikolaus-Konvention zufrieden, seine Stiefel vor die Tür zu stellen, zumal er gar nicht über solche verfügte (aus Mangel an Füßen). Selbst Jesuslatschen befanden sich nicht in seinem Besitz, von Trampern mit Ledersohle ganz abgesehen.

Also fasste er sich am Vorabend des Nikolaustages ein Herz sowie ein (um seine eigene Integrität nicht zu gefährden) stumpfes Messer, setzte sich auf den aus dem VEB Getränkekombinat “ausgeliehenen” Gabelstapler, kippte das Sofa seiner Wirtsleute um, schlaaatzte ein paar Löcher hinein und freute sich über das noch unausgefüllte Volumen, das dem freundlich gesinnten nächtlichen Gast zur Verfügung stehen würde, um Pfefferkuchen, Spekulatius, Piccoloflaschen oder Rekord-Briketts darin zu versenken.

Jammermondgedicht

jammermond

Der Mond steigt aus dem Dunst.
Der Schlaf ist eine Kunst,
Dem Schaf geht’s an den Kragen:
Der Wolf füllt seinen Magen.

Der Wolf kommt bald zu uns.
Erst frisst er Hinz, dann Kunz.
Zuletzt frisst er die Meyern.
Dann schleicht er fort nach Bayern.

Vorhersehbares Wegdriften der Realität

wegdriften
Neuronaler Unscharfpunkt nach Gofthe (Maler)

Kaum etwas bereitete Karl Gong so viel Freude, verschaffte ihm aber auch so viel Aufregung wie das Wegdriften, das langsame Auslöschen seines Verstandes beim Übergang vom öden Bearbeiten der Dokumente in den sich nach dem Mittagessen automatisch einstellenden Bureauschlaf. Die Realität verwischte und vermischte sich hinter seinen geschlossenen Lidern mit den Figuren, die ihm aus seinen Albträumen nur allzu bekannt vorkamen, die also an der Pforte zum schlummernden Wahnsinn herumlungerten, ihn an die Hand nahmen und in ihre seltsamen Verrichtungen hineinzogen, mitgegangen mitgehangen, er war zu schwach, sich zu wehren.

Die Unangetraute, die des Abends darüber wachte, dass er sich nicht mit verdächtigen Gestalten einließ, hoppelte fern von ihm auf dem Rücken eines Pferdes über den Acker, zu dem die verfluchten Wildschweine seine schöne Wiese gemacht hatten, alles frisch eingesät, er hatte sich so viel Mühe gegeben, nachts, denn tagsüber hatte er die Stallungen für die Pferde errichten müssen, Wildschweine mit Hauern so lang wie der zugegeben extra kurze Fahrradlenker, den er sich als Kind vom Dorfschmied hatte schweißen lassen, nackt also schwebte die Holde auf ihrem Apfelschimmel über die niedergerissenen Grundstücksmauern, hinter ihr her in glänzend goldener Rüstung der Schnabel-Schorsch von gegenüber, so jagte er sie, die mittlerweile erblondete, hühnenhafte Frau, das Spalier der Dorfkretins höhnte zu ihm herüber, die Fratzen, die er nur zu gut kannte, ergötzten sich an den Reitenden; die stoben über den von meterhohen Kakteen bewachsenen Dorfanger, der sich bis zum Getreidesilo erstreckte, aus dessen aufgeschlitztem Dach ein übergroßer, mampfender Sperling keckernd und feixend herausschaute; heiße, rotglühende Eifersucht überschwemmte Karl Gong, nur noch übertroffen vom klatschenden Entsetzen, als der Schnabel-Schorsch von einem dahinrasenden gelben Schulbus aus Wellblech mit voller Wucht seitlich gerammt und pulverisiert wurde.

„Plong!“ machte Karl Gongs Knie, als es mit voller Wucht von unten gegen die Tischplatte seines Schreibtischs knallte. Er riss die Augen auf, starrte die Mayersche an, die mit wehender Unterschriftenmappe an ihm vorbeischnöselte, und speicherte endlich seine bearbeiteten Dokumente.

Die rasende Eifersucht auf den Schnabel-Schorsch ebbte erst nach einigen Tagen langsam ab.

„Welcher Schnabel?“ fragte die Holde, als Gong sie nach einem der üblichen abendlichen Rapports vorsichtig auf den Nachbarn ansprach. „Es gibt hier keinen Schnabel.“

Zweifelnd legte Karl Gong den Kopf schief, erwiderte nichts und trollte sich. Grüßen würde er den Kerl jedenfalls frühestens im nächsten Jahr wieder, wenn überhaupt.

Neues vom Patzschke Trust

patzschke
Ventil- und Fittinglager Patzschke (Foto: Zentralkartei)

Klempner Patzschke aus der Rhön weilte schon seit mehreren Wochen in Blasegast, um sämtliche eigentlich unzerstörbaren Traufen und Gossen des Steckwursthauses rauszuruppen und durch billige Chinaware zu ersetzen. Seine spezielle Art von Humor sorgte für knurrende Akzeptanz der handwerklichen Zumutungen bei den eher schlichten Mietern, nur der scharfgeistige Herr Schrudel wagte gelegentlich Widerspruch, wenn tragende Wände weichen oder plötzlich einfließende Sturzbäche um die Phonoanlage und das Plattenregal geleitet werden mussten.

Wirklich dramatisch wurde die Lage erst, als Patzschke auf dem Kulminationspunkt seiner schöpferischen Aktivitäten ins Rhönische Ventil- und Fittinglager seines Imperiums gerufen wurde, wo bei einer internen Revision kein einziger der vermuteten Bestände auch nur annähernd verzeichnet werden konnte und alle Mitarbeiter schockstarr dem Eintreffen des äußerst cholerischen Chefs und der folgenden mehrwöchigen Brüllerei entgegenfieberten.

Trockengefallen und auf sich selbst zurückgeworfen, wies Oma Steckwurst die Mieter ihres Hauses an, in nächtlichen Subbotniks (auch an Wochentagen) den verschütteten Mühlgraben der Blase von dem Unrat zu befreien, den sie einst selbst dort deponiert hatten, um Gebühren zu sparen, das Wasser in den Senkschacht der von Gisella Quarterbeck (27) „besorgten“ Tauchpumpe zu leiten und damit die Einspeisung von halbwegs genießbarem „Nass“ (Zeitungsdeutsch) in das aus Gartenschläuchen hergestellte Notnetz zu gewährleisten.

Die gemeinsame Anstrengung schweißte die Belegschaft des Hauses zusammen, brachte Tränen der Rührung und glückliche Erinnerungen an die sozialistische Menschengemeinschaft hervor. Allerdings hielt das Gefühl der Verbundenheit, Brüderlichkeit und Solidarität nur bis zu dem Zeitpunkt an, als Oma Steckwurst die Zettel mit der nächsten Mieterhöhung eigenhändig in die Briefkästen verklappte.

Das Duell mit der Großmeisterin

damengambit

Nachdem Karl Gong von seiner Unangetrauten, die sich vorher vergewisserte, dass er nicht heimlich in die Feinheiten des Damengambits zu dringen versucht hatte, zum Schachspiel gezwungen, unter Verlust nur eines Bauern die Eröffnung überstanden und tatsächlich auf einen Fehler der Holden hin deren weißen Läufer erbeutet hatte, was in ihm ein hämisches Gefühl erzeugte, dessen er sich ein wenig schämte, ging er forsch zum Angriff auf die Dame seiner Dame über, die sich frech vor die Deckung gewagt hatte, um ihn feixend matt zu setzen, und nach einem kleinen Kuddelmuddel warf sie mit ihrem König nach ihm, den Stuhl und den Kopf mit dem wallenden Haar nach hinten und verkündete, dass es dann wohl heute für ihn kein Abendessen geben würde, denn er müsste sowieso noch den Stall ausmisten und die Kaffeemaschine für die Reiterinnen auseinandernehmen und zusammensetzen und überhaupt sieht das Grundstück aus wie Mist, woraufhin Karl Gong für eine Stunde das Weite suchte, hinter dem Heuschober still triumphierend Däumchen drehte und wartete, dass die Großmeisterin ihn mit Schnitzeldampf und dem Angebot einer einstweiligen Versöhnung wieder ins Haus locken würde.

Das schlampig-hellbläue Sonett

fettbemme

Bier und Bemme: Großer Spaß,
wenn auch angeschnitten.
Kein Vergleich: Kantinenfraß,
in den Napf geglitten.

Halbes Bier in einem Zug,
zweites bringt das Fräulein
ungefragt und wie im Flug.
Leben kann hellbläu sein,

hellbläu wie der Himmel weit,
hellbläu wie das Schwärmen,
hellbläu wie die Herrlichkeit,

hellbläu wie das Wärmen
am Kamin der Zärtlichkeit.
Ersäufen wir das Härmen!

Vom Finanzamt

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Der Briefkasten – Last und Lust seines Besitzers

Der kleine Herr Schönleben wurde anlässlich eines Besuches bei seiner Freundin auf das Kanapee gebeten, um fernzusehen. Still und aufmerksam ließ er den unglaublichen Murks, den sie euphorisch konsumierte, über sich ergehen und vergaß sofort, was er eben geschaut hatte. Nur eine beim fortwährenden Umschalten aufgeschnappte Warnung vor dem harten Durchgreifen des Finanzamtes gegen Steuerbetrüger, die die Freundin mit einem verächtlichen Ausstoßen von Luft kommentierte, blieb schließlich in seiner Erinnerung.

Von da an hegte der kleine Herr Schönleben eine beträchtliche Furcht vor dem Wirken des Finanzamtes. Täglich mehrmals lief er zum Briefkasten, um zu sehen, ob die Behörde es mittlerweile auch auf ihn abgesehen hätte. Erst nach mehreren Wochen wurden die Befürchtungen eines staatlichen Zugriffs auf seine Ersparnisse, von denen er nicht mehr wusste, wie er an sie gelangt war, überdeckt von den sonstigen Zumutungen seines Alltags. Schließlich vergaß er auch noch, solange dieser nicht überquoll, wo sich sein Briefkasten befand, und das waren einige der schönsten Tage seines Lebens.

Ein Froschteich

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Biologische Lurchteichanlage Grundstück Gong

Karl Gong, dem die Unangetraute unaufhörlich in den Ohren lag, um Terraforming-Aktivitäten in Gang zu setzen, denn ein großes Grundstück verpflichtet zur Refinanzierung, und die irgendwann Geld verdienenden Pferde verpflichten zur Bereitstellung von Auslauf, Stallungen, Pferdeanhängern und Hafer, und die sich mittlerweile auf dem Hof tummelnden, Geld einbringenden Reiterinnen verpflichten zu einer teuren Kaputtschinomaschine, Zerstreuung, WLAN, Duschen und Umkleidekabinen, und die aufgrund der naturnahen Verwahrlosung des Grundstücks eingewanderten Lurche verpflichten zum Ausgraben einer artgerechten Teichlandschaft, — Karl Gong also nahm Spaten, Hacke und Wasserwaage in die Hand, denn in seinem Universum genossen die unschuldig quakenden Frösche allerhöchste Priorität, selbst vor der Unangetrauten, außerdem ließ ihn auch seine widersprüchliche Sympathie zu Störchen zunächst den Lurchteich ausheben, das Erdreich verteilen, die Böschungen bepflanzen und einen Badesteg einbauen, bevor er sich den Stallungen für die Reiterinnen und dem Prosecco für die Gäule widmete und feststellte, dass er nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf steht.

Der See

see

Der See ist mit dem Meer
durch einen Stich verbunden.
Ein echtes Nadelöhr.
Ich brauch vierhundert Stunden
nach Hamburg mit der Yacht.
Der Schleusenwärter lacht.